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Biopiraterie

Grünes Gold

 

Zusammenfassung

Diese Installation des Museo Mundial Projekts im Naturhistorischen Museum in Nürnberg widmet sich dem Thema Biopiraterie. So zeigt sie die Verbindung auf zwischen patentgeschützten Medikamenten, die wir in der Apotheke kaufen können und den Heilpflanzen, die ihre Grundlage bilden. Die Installation ist eingebunden in die Costa Rica Abteilung des Museums, in der sich die Besucher etwa über Schamanismus und traditionelle Heilverfahren informieren können.

Im Detail

  • Eine große Informationstafel führt die Besucher zunächst in das Thema ein und erklärt ihnen, was sich hinter dem, für viele unbekannten, Begriff Biopiraterie verbirgt. So meint Biopiraterie nämlich eine kommerzielle Verwendung und Fortentwicklung etwa von bestimmten Heilpflanzen ohne eine entsprechende Vergütung bzw. Entschädigung der einheimischen Bevölkerung.
  • Außerdem werden in der Installation die Auswirkungen dieser Biopiraterie auf die lokale indigene Bevölkerung thematisiert sowie die bestehende internationale Debatte zu diesem Thema angeschnitten.
  • Unterhalb der Informationstafel können dann fünf konkrete Fallbeispiele zum Thema Biopiraterie betrachtet werden, wie etwa das der zwischenzeitlich weitläufig bekannten Heilpflanze Umkaloabo. Zu diesem Zweck wurden vier Räder angebracht, die von den Besuchern gedreht werden können und von allen Seiten mit jeweils einem Aspekt der Fallstudie beschrieben sind. So finden sich auf dem ersten Rad die Krankheiten, die durch die jeweilige Pflanze geheilt werden können. Ein zweites Rad zeigt dann Bilder dieser indigenen Pflanzen, wohingegen auf dem dritten Rad deren jeweilige Namen aufgeführt sind. Das dritte Rad klärt die Besucher dann schließlich darüber auf, woher diese Pflanze ursprünglich stammt und welche Firma nun ein Patent auf ihre Wirkungskraft hält.
  • In seiner Aufmachung erinnert dieser Teil der Installation an einen einarmigen Banditen im Kasino, bei dem der Spieler dann erfolgreich ist, wenn er eine Reihe von gleichen Bildern angezeigt bekommt. In unserem Fall geht es nun aber darum, die einzelnen Elemente des Fallbeispiels richtig zueinander zuzuordnen. Als Hilfestellung für den Besucher dienen dabei kleine Pfeile, die ihm anzeigen, ob er die richtige Sortierung gewählt hat
  • Die Maße dieser Installation liegen bei einer Breite von 122 cm sowie einer Höhe von 180 cm.
  • Thematisch bezieht sich die Installation auf Millenniums-Entwicklungsziel (MDG) 6 ("Bekämpfung von HIV / Aids, Malaria und anderen Krankheiten") sowie MDG 7 ("Sicherung der ökologischen Nachhaltigkeit"). Sie veranschaulicht die Komplexität, die der vermeintliche "Besitz" der Biodiversität mit sich bringt und spricht die Herausforderungen der globalen Gesundheitsversorgung an.

Übersicht der Biopiraterie-Installation, die sich neben der Costa-Rica-Abteilung befindet

Rad_Biopiracy

Die Pfeile zeigen dem Besucher / der Besucherin, ob er / sie die Räder richtig zugeordnet haben

Besucher_Biopiracy

Eine Besucherin am Biopiraterie-"Spiel"

    Budget

    Bau des einarmigen Banditen

    2065 €

    Entwurf der gesamten Installation

    100 €

    Druck des Gesamtentwurfs

    220 €

    Redigieren der Gesamtkonstruktion

    60 €

    Fotorechte

    40 €

    Hintergrundinformationen

    15 €

    Gesamtsumme

    2500 €

    Schritt-für-Schritt-Anleitung

    1. Schritt:

    Erste Orientierung

    Besuchen Sie das Museum, in dem Sie arbeiten wollen, um einen guten Überblick über dessen Ausstellung zu erhalten.

    2. Schritt:

    Die Themenfindung

    Erarbeiten Sie in Zusammenarbeit mit dem Museum das Thema, zu dem Sie arbeiten möchten und suchen Sie dann ein passendes Objekt im Museum, an das Sie die neue Installation anlehnen können. Die Größe und Ausgestaltung einer jeden neuen Installation hängt selbstverständlich sehr stark von den örtlichen Begebenheiten des kooperierenden Museums und der dort vorhandenen Ausstellung ab. Mögliche thematische Anknüpfungspunkte für die Biopiraterie können etwa, wie in unserem Fall, der Schamanismus sein, aber auch der Einsatz von Heilkräutern oder aber die Gesundheitsversorgung in unterschiedlichen Ländern der Erde sein, um nur einige Beispiele zu nennen.

    Schaffen Sie einen einfachen und verständlichen Anknüpfungspunkt an das bestehende Objekt.
    → Versuchen Sie, so nah wie möglich an dem thematischen Schwerpunkt des Objekts mit dem Sie arbeiten wollen, zu bleibe und schaffen Sie eine Verbindung zu der Region, den Akteuren und dem Erzählungsstil, der bei diesem Objekt verwendet wird.

    Wähle Sie einen Aspekt des Themas, der zwar gut definiert ist, aber dennoch komplex genug, um darauf aufzubauen
    → Stellen Sie sich die Frage, ob Ihr Ziel ist, einen Überblick über die Thematik zu geben oder ob Sie sich auf eine ganz bestimmte Problemstellung fokussieren möchten.

    Entwickeln Sie interessante Methoden, die für die Umsetzung Ihrer Idee verwendet werden können. Prüfen Sie zunächst, wie viel Platz im Museum zur Verfügung steht und welche technischen gegeben sind. Machen Sie sich außerdem Gedanken, welche Zielgruppe Sie ansprechen wollen und welche finanziellen Mittel Ihnen zur Verfügung stehen
    → „Think small, start small.“ Während der Umsetzung werden Sie höchstwahrscheinlich weitere interessante Ideen entwickeln, auf die Sie vorbereitet sein sollten. Sparen Sie daher lieber zu Beginn des Prozesses etwas Geld, um im späteren Verlauf noch weitere Investitionen tätigen zu können.

    3. Schritt:

    Erstellung eines Arbeitsplanes

    Entwerfen Sie einen ersten Entwurf für Ihre Idee, die Zusammen Ihre Ideen mit denen Ihrer Partner. Dieser Entwurf sollte bereits gehört ein Budgetplan, so dass Sie die Durchführbarkeit Ihrer Idee können beurteilen. Es sollte auch gehören ein Zeitplan für die Umsetzung. Definieren Sie den Entwurf jeder mit einverstanden und an alle Partner.

    4. Schritt:

    Wahl der Zulieferer

    Holen Sie sich für jeden Schritt der Produktion Kostenvoranschläge ein. Empfehlenswert für eine Zusammenarbeit sind meistens solche Zulieferer, die bereits in bzw. mit Museen gearbeitet haben.

    5. Schritt:

    Zusammenstellung des Inhalts

    Stellen Sie nun die Inhalte für die Informationstafel sowie die Radelementen zusammen. Bitten Sie Ihren Partner im Museum / der NGO, diese erste Version Korrektur zu lesen, um etwaige Missverständnisse frühzeitig klären zu können.

    6. Schritt:

    Das geeignete Bildmaterial

    Wählen Sie Bilder und Grafiken, die den Inhalt unterstreichen und den Besuchern den Zugang zum Thema erleichtern. Bitte beachten Sie, dass Sie dabei das Urheberrecht der jeweiligen Materialien. In einigen Fällen kann die Nutzung des Bildmaterials für pädagogische Zwecke kostenpflichtig sein.

    7. Schritt:

    Modellieren einer Testversion

    Konstruieren Sie in jedem Fall einen Dummy der Installation, die Sie im Sinn haben. Sie können dafür z.B. Pappe oder LEGO verwenden. Die Visualisierung wird Ihnen bei der späteren Kommunikation mit der DesignerIn und der SchreinerIn helfen. Außerdem hilft Sie auch, die jeweilige Größe der einzelnen Komponenten besser einzuschätzen.
    → Wir mussten erkennen, dass eine Zeichnung allein nicht ausreichend ist, um die bestehende Idee an die DesignerIn und die SchreinerIn heranzutragen.

    8. Schritt:

    Aufbau der Hauptinstallation

    Senden Sie einen ersten Entwurf Ihrer Installation mit der gewünschte Größe des Objekts, Ihrem Text und den dazugehörigen Bildern an die SchreinerIn, so dass er/sie eine technische Zeichnung davon entwerfen kann. Übermitteln Sie diese Blaupause dann an die DesignerIn, damit er/sie mit dem allgemeinen Aufbau kann beginnen.
    → Beginnen Sie die Kommunikation mit der SchreinerIn und der DesignerIn so bald wie möglich, denn die Entwicklung eines allgemeinen Konzepts wird einige Zeit in Anspruch nehmen.

    Finalisieren Sie das Konzept mit dem sämtlichen Text, den Bildern und Methoden, die Sie verwendet möchten. Bitten Sie Ihre Partner, um eine weitere Korrektur der Texte. Engagieren Sie eine professionelle LektorIn, wenn Sie diese /diesen in Ihrem Finanzplan vorgesehen haben. Senden Sie dieses finale Konzept dann den die DesignerIn.

    Korrekturschleifen: Mehrere Korrekturzyklen helfen dabei, das Endprodukt zu professionalisieren. Bitten Sie daher die DesignerIn um zwei bis drei Korrekturschleifen.
    → Identifizieren Sie jene Museumsmitarbeitende, von denen Sie das finale Produkt abnehmen lassen müssen. Versuchen Sie, den Kreis möglichst klein zu halten, um Zeit zu sparen. Machen Sie den Korrekturprozess dennoch für alle Akteure transparent.

    9. Schritt:

    Entwicklung des Begleitmaterials

    Sobald Sie das Kernelement Ihrer Installation finalisiert haben, können Sie sich auf deren kleine Extras konzentrieren. Da sie hierzu vermutlich wieder die Hilfe des Lektors, Designers und einer Druckerei benötigen, sollten Sie auch für diesen Schritt einige Zeit einplanen.

    10. Schritt:

    Aufbau im Museum

    Das Endprodukt muss schließlich zum Museum transportiert werden. Beauftragen Sie hierfür ein spezialisiertes und zuverlässiges Transportunternehmen. Unter Umständen können Sie auch von der SchreinerIn eine spezielle Box für den Transport entwickeln lassen.

    Unsere Erfahrungen

    Pro & Contra

    Pro

    • Die Installation verfügt über einige spielerische Elemente, wodurch sie nicht nur für Erwachsene, sondern auch für Kinder attraktiv sein kann.

    Contra

    • Es war schwierig, dieses komplexe Thema so zu vermitteln, dass es zwar noch leicht nachzuvollziehen ist, aber dennoch sichergestellt werden konnte, dass keine wichtigen Informationen verloren gehen

    Lernerfahrungen

    • Je komplexer eine Anlage, desto mehr Fehler sind in der Produktion möglich. Um jede Fehlfunktion der Anlage zu antizipieren ist es wichtig, mit der SchreinerIn über jedes kleine Detail im Vorfeld zu sprechen.

    Besucherreaktionen

    • Viele Besucher haben uns zurückgemeldet, dass das die Biopiraterie ein für Sie bisher unbekanntes Themengebiet war und Sie die Installation daher sehr lehrreich fanden.
    • Für den Geschmack einiger Besucher, weist diese Installation bereits zu viel Text auf.

    Internetlinks + andere Quellen

    Baig, R. (2013): Im Kampf gegen Biopiraterie

    www.dw.de/im-kampf-gegen-biopiraterie/a-16731192 (aufgerufen am 2015.01.13)

    Bayrischen Rundfunk (2014): Patente auf jahrtausendaltes Wissen

    www.br.de/themen/wissen/biopiraterie-nagoya-100.html (aufgerufen am 2015.01.13)

    Biermann, D. (2010): Zwischen Raubbau und Anbau

    www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=34157 (aufgerufen am 2015.01.13)

    BUND (2014): Gerechter Vorteilsausgleich Nagoya-Protokoll zum gerechten Vorteilsausgleich bei der Nutzung genetischer Ressourcen

    www.bund.net/themen_und_projekte/biologische_vielfalt/international/nagoya_cop_10/gerechter_vorteilsausgleich/ (aufgerufen am 2015.01.13)

    Europäisches Parlament (2013): EU Einander Biopiraterie bekämpfen, fordert das Parlament

    www.europarl.europa.eu/news/de/news-room/content/20130114IPR05313/html/EU-muss-Biopiraterie-bek%C3%A4mpfen-fordert-das-Parlament (aufgerufen am 2015.01.13)

    Faszination Regenwald (2014): Verlust der Regenwaldapotheke

    www.faszination-regenwald.de/info-center/zerstoerung/regenwaldapotheke.htm (aufgerufen am 2015.01.13)

    Frein, M., Meyer, H. (2008): Die Biopiraten, MIT Milliardengeschäfte der Pharmaindustrie Dem Bauplan der Natur, Econ: Berlin.

    Frein, M., Meyer, H. (2012): Wer kriegt was? Das Nagoya-Protokoll gegen Biopiraterie - Eine politische Analyse, Hrsg: EED: Bonn.

    Galaktionow, B. (2010): Widerruf Eines Patente, Ethische Fragen - ungelöst, Süddeutsche Zeitung am 17.5.2010

    www.sueddeutsche.de/wissen/widerruf-eines-patents-ethische-frage-ungeloest-1.68757 (aufgerufen am 2015.01.13)

    Inkota (2012): Inkota-Infoblätter Welternährung: Biopiraterie, Internet

    www.inkota.de/fileadmin/user_upload/Material/hegl/infoblaetter/INKOTA_Infoblatt5_Biopiraterie.pdf (aufgerufen am 2015.01.13)

    Klein, D. (2007): Übereinkommen Gesetz über die Biologische Vielfalt, zugang zu genetischen Ressourcen und gerechter Vorteilsausgleich - Access and Benefit Sharing (ABS)

    www.bfn.de/fileadmin/ABS/documents/iucn_infobrosch_301007.pdf (aufgerufen am 2015.01.13)

    Lexikon der Nachhaltigkeit (2010): UN Biodiversitätskonferenz in Nagoya / Japan 2010:

    www.nachhaltigkeit.info/artikel/artenschutz_konferenz_in_nagoya_japan_2010_1441.htm?sid=dbe1b9b715b7c88e54060fd58fde6eb6 (aufgerufen am 2015.01.13)

    Riekeberg, A., Gerstetter, C., Kaiser, G., Sundermann, J. (2005): Grüne Beute - Biopiraterie und Widerstand

    www.biopiraterie.de/fileadmin/pdf/gruene-beute.pdf (aufgerufen am 2015.01.13)

    Satish, N.G. (2003): Die Wiederentdeckung der traditionellen Wissens: eine Fallstudie von Neem. Internationale Zeitschrift für Informations- und Technologiemanagement 2 (3), S. 184-196.

    WWF (2010): UN-Gipfel zur Biologischen Vielfalt in Nagoya

    www.wwf.de/themen-projekte/biologische-vielfalt/reichtum-der-natur/cbd-die-un-konvention/10-vertragsstaatenkonferenz-cop-10/ (aufgerufen am 2015.01.13)

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