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Ressourcen und Recycling

Wie viele Handys braucht der Mensch?

 

Zusammenfassung

Die Installation „Wie viele Handys braucht der Mensch?“ macht den Abbau und die Verschwendung von Ressourcen zum Thema. 2013 wurden weltweit ca. 1,8 Milliarden Mobiltelefone verkauft. In Deutschland beträgt die durchschnittliche Lebensdauer eines Handys 18 Monate. „Alte“ Modelle landen in Schubladen, andere (zum Teil illegal) in Afrika oder Asien. Dort werden die Geräte, wenn möglich, noch einige Jahre genutzt. Spätestens dann beginnt die oft gesundheitsschädigende Schrottverwertung.

Mehr als 60 Stoffe stecken in einem Mobiltelefon, egal ob einfaches Handy oder modernstes Smartphone. Schon die Erstgewinnung der nötigen Rohstoffe birgt Risiken für Mensch und Umwelt. Kupfer, Aluminium, Kobalt, Gold oder Tantal sind nicht nur wertvoll, sondern werden oft unter ausbeuterischen, gefährlichen und manchmal kriegerischen Bedingungen wie in der Demokratischen Republik Kongo gewonnen. Umso wichtiger ist das Recycling, denn 80% der Inhaltsstoffe sind wieder verwertbar.

Im Detail

  • In einer kleinen Vitrine, die den Nachbarvitrinen entspricht, wird ein bronzezeitlicher Hort nachgestellt: Ein getöpfertes Gefäß enthält gesammelte alte Handys. Drum herum werden einzelne Rohstoffe wie Bauxit (Aluminium) Coltan (Tantal) usw. ausgestellt mit Informationen über Mengen, Gebrauch und Vorkommen.
  • Über der Vitrine führt eine Tafel, im Design den übrigen Tafeln entsprechend, in das Thema ein: Wie viele Handys braucht der Mensch? Und wo landet der Rest?
  • Ein überlebensgroßes Bandolo aus Vorex lädt zum Spielen ein. Mit einer Kordel werden Fragen rund um Smartphones mit den entsprechenden Antworten verbunden. Hier geht es um Fragen wie die Gesamtmenge an Elektroschrott oder den ökologischen Rucksack eines Handys. Die Rückseite zeigt die Auflösung und verweist über QR-Codes auf die Seiten von Fairphone und iFixit. Erstere Firma versucht ein in Ansätzen faires Smartphone zu produzieren, zweitere ermuntert zur Reparatur.
  • Die Installation kann durch ein museumspädagogisches Programm ergänzt werden, in dem es darum geht, einzelne Rohstoffe zu erkennen oder Smartphones auf ihre Reparaturfreundlichkeit hin zu untersuchen.
  • Die Installation bezieht sich auf Millenniumsentwicklungsziel 7 „Sicherung der ökologischen Nachhaltigkeit“, insbesondere Zielvorgabe 7A: „Die Grundsätze der nachhaltigen Entwicklung in einzelstaatliche Politiken und Programme integrieren und den Verlust von Umweltressourcen umkehren“ sowie Ziel 8: „Aufbau einer weltweiten Entwicklungspartnerschaft“. Sie berührt ebenso Themen wie Kinderarbeit und Gesundheit.
Overview Recycling

Ein Überblick der Installation zum Thema Ressourcen und Recycling

Besucher_Recycling

Mithilfe des Bandolos können die BesucherInnen ihr Wissen testen

Board_Recycling

Die Informationstafel führt in das Thema ein

Vitrine_Recycling

In der Vitrine befinden sich ein Tontopf mit alten Handys und verschiedene Rohstoffe

    Budget

    Vitrine, Tontopf, alte Mobiltelefone

    vorhanden

    Material für Vitrinenuntergrund

    10 €

    Zwei Exemplare des “Rohstoffkoffer” des Potsdam Institute of Advanced Sustainability Studies

    80 €

    Unterlagen für die Rohstoffe (Plexiglaswürfel)

    60 €

    Entwurf der Tafel, der Infokarten in der Vitrine und des Bandolos

    530 €

    Druck von Tafel und Disclaimer

    100 €

    Druck von zwei Bandolos (eines als Ersatz oder für den Einsatz in größeren Gruppen)

    Material für Bandolo (Farbe, Kordel)

    248 €

    Gesamtsumme

    1028 €

    Schritt-für-Schritt-Anleitung

    1. Schritt:

    Themenfindung

    Wählen Sie zusammen mit den PartnerInnen ein passendes Objekt oder Thema.

    In diesem Fall geht es um Werthaltiges, um Ressourcen und Recycling, so war ein bronzezeitlicher Hortfund ein ganz natürlicher Anknüpfungspunkt: Welche Reste werden ArchäologInnen im Jahr 5000 wohl aus unserer heutigen Kultur finden? Und wie werden sie es interpretieren?

    Andere mögliche Anknüpfungspunkte könnten historische Arbeitsbedingungen, Handelsobjekte, aber auch geologische oder mineralogische Themen sein. Ganz wichtig: Schaffen Sie eine möglichst einfache und eingängige Verbindung zu den vorhandenen Ausstellungsteilen. Die Verbindung kann im Gegenstand, im Material, in den Akteuren oder in der Art der Geschichte liegen, die ein Objekt „erzählt“.

    Wählen Sie einen Aspekt des Themas. Wollen Sie einen Überblick über die Wertschöpfungskette geben? Oder sich lieber auf einen Aspekt der Geschichte konzentrieren? Weniger kann mehr sein.

    Die Installation sollte einen interaktiven Teil haben. Welche Methode passt zum „Lernziel“? Was ist die Zielgruppe? Wie viel Platz ist vorhanden? Welche technischen Möglichkeiten bietet das Haus? In unserem Fall entschieden wir uns für ein Bandolo, um dem Thema „Elektro-Schrott“ nicht ein weiteres Stück zukünftigen „Elekro-Schrott“ hinzuzufügen.

    2. Schritt:

    Der Plan

    Entwerfen Sie einige Skizzen zu Ihren Ideen und diskutieren Sie sie mit den Beteiligten. Überschlagen Sie schon einmal die Kosten und entwickeln Sie einen Zeitplan.

    Erstellen Sie anschließend eine Skizze, auf die sich alle einigen können und präzisieren Sie Ihren Zeitplan.

    Tipp: Beginnen Sie frühzeitig, Smartphones und Handys zu sammeln!

    3. Schritt:

    Dienstleistungen

    Im Fall dieser Installation waren die zwei großen Posten Layout / Design und Druck. Da die Installation möglichst nahtlos in die Ausstellung eingepasst werden sollte, griffen wir auf bewährte Personen aus dem Umfeld des Museums bzw. der betreffenden Abteilung zurück.

    4. Schritt:

    Ausarbeitung des Inhalts

    Lesen und Recherchieren stehen am Anfang und laufen parallel zur Planung der Installation. Der Inhalt inspiriert die Form. Entwickeln sie Tafeltext, Text der Aufsteller in der Vitrine und die Fragen zum Bandolo. Lassen Sie alles früh die Partnerorganisation gegenlesen, um mögliche Missverständnis schon früh auszuräumen.

    5. Schritt:

    Bilder, Grafiken und Objekte

    Wählen Sie Bilder, Grafiken und Objekte, die den Inhalt der Wertschöpfungskette der Mobiltelefone illustrieren. Gute Bilder fanden wir bei flickr und bei Fairphone. Die InhaberInnen des Copyrights sind oft bereit, ein Bild für einen guten Zweck zur Verfügung zu stellen. Fairphone war überaus hilfsbereit. Dort finden Sie auch das „Urban Mining Manual“, mit dem Sie selbst einen Workshop durchführen können, in dem Sie Handys und Smartphones auseinander nehmen und genauer untersuchen (lassen) können.

    Wichtige Mineralien rund um das „Mobiltelefon“ finden Sie im Rohstoffkoffer, den das Potsdam Institute of Advanced Sustainability Studies für das Naturhistorische Museum Wien zusammenstellte. Sie können ihn hier bestellen. Falls Sie eine Geologie-Abteilung oder ein geologisches Museum vor Ort haben, fragen Sie dort nach.

    6. Schritt:

    Testen

    Befüllen Sie die Vitrine nicht übermäßig. Vergessen Sie nicht einen Testdruck der Tafel, um die Farben zu prüfen. Das gilt insbesondere dann, wenn Sie sich farblich an der vorhandenen Ausstellung orientieren.

    7. Schritt:

    Das Bandolo

    Testen Sie vor allen Dingen das Bandolo. Da die Rückseite die Lösung zeigt, ist das Layout nicht so einfach. Am besten ist, Sie leihen sich ein Bandol(in)o von einem Grundschulkind in Ihrer Umgebung. Stellen Sie ein Exemplar in Originalgröße her, um zu prüfen, wie lang die Kordel sein muss. Ist das Spiel noch gut zu nutzen? Falls nicht, müssen Sie die Kordel und damit das Bandolo – und den Fragenkatalog – kürzen. So ging es uns leider.

    8. Schritt:

    Korrekturschleifen

    Bitten Sie Ihre PartnerInnen Korrektur zu lesen. Falls Sie einen Lektor im Budget berücksichtigt haben, umso besser.

    Besprechen Sie mit der Designerin, dem Designer, wie viele Korrekturschleifen inklusive sind.

    9. Schritt:

    Aufbau im Museum

    Besprechen Sie, wie die Tafel befestigt werden kann. Wir wählten leichtes Vorex-Material, das mit starkem doppelseitigem Klebeband fixiert werden konnte. Vorteil: es kann wieder leicht entfernt werden, wenn erwünscht.

    Auch das Bandolo wurde doppelseitig auf Vorex gedruckt. Das Material ist sehr viel leichter als Holz und auch für Kinder leicht nutzbar. Als Kordel dient einfach eine feste Baumwollkordel. Eventuell ist es nötig, sie passend zum Bandolo einzufärben. Vorsicht: das Färben kürzt die Kordel erheblich.

    10. Schritt:

    Museumspädagogik

    Gibt es Objekte, die das Thema sinnlich „begreifbar“ machen? Zusätzliche Informationen vermitteln? Unser Vorschlag: Steine zum Anfassen. Was gewinne ich aus Bauxit? Wofür ist Silizium gut? Wie schwer ist eigentlich Eisenerz? Und wie erkenne ich es? Wie sieht eigentlich das berüchtigte Konfliktmineral Coltanerz aus? Dazu entwickelten wir ein kleines Quiz. Außerdem haben wir auseinandergenommene Smartphones: Woran kann man erkennen, was beim Smartphone-Kauf wichtig ist? Ist es leicht zu reparieren?

    Unsere Erfahrungen

    Pro & Contra

    Pro

    • Das Bandolo lädt zum Spielen ein.
    • Die Installation passt sich nahtlos in die Ausstellung ein und „verwundert“ erst beim genauen Hinschauen.

    Contra

    • Die Installation passt sich nahtlos in die Ausstellung ein und „verwundert“ erst beim genauen Hinschauen. Darum finden einige BesucherInnen sie nicht oder nur schwer.
    • Schön wären mehr Hands-On-Objekte wie die Mineralien oder die Smartphones. Wir haben uns dagegen entschieden, weil die Einzelteile scharfkantig sind und verletzen können – und weil die Mineralien leicht zu verlieren oder mitzunehmen sind.

    Lernerfahrungen

    • Das Bandolo war ein Experiment, mit dem wir versucht haben, Informationen mit so wenig Text wie möglich zu geben. Doch man muss wissen, wie es funktioniert. Zwar gibt es eine Anleitung in einem Satz, aber Menschen, die damit nichts anzufangen wissen, neigen dazu, es nicht anzufassen.

    Besucherreaktionen

    • Das Bandolo kommt bei den BesucherInnen gut an.
    • Einige BesucherInnen sagten, dass nun motiviert seien, ihre alten Geräte zu recyceln und ihre Mobiltelefone bewusster zu nutzen.

    Internetlinks + andere Quellen

    Potsdam Institute for Advanced Sustainability: Hier finden sich auch Bezugsadressen für die „Rohstoff-Box“ zusammen mit einem sehr informativen Textbuch einschließlich Ideen zur pädagogischen Umsetzung.

    www.die-rohstoff-expedition.de

    www.die-rohstoff-expedition.de/die-rohstoff-expedition/rohstoffbox.html)

    Südwind-Institut: Das Südwind-Institut für Wirtschaft und Ökumene führt sowohl wissenschaftliche als auch aktionsorientierte Forschung zu wirtschaftlichen Themen durch. Unter den Publikationen finden Sie einige kurze, aber doch inhaltlich dichte Veröffentlichungen über Rohstoffe, Raubbau und soziale Auswirkungen.

    www.suedwind-institut.de/publikationen/

    Arte: Der französisch-deutsche TV-Kanal „arte“ bietet unter der Adresse Filme, Infografiken und mehr zum Thema Elektroschrott.

    www.future.arte.tv/de/giftige-geschaefte-mit-elektromuell

    Germanwatch: Handbuch über Elektroschrott von German Watch.

    www.germanwatch.org/fr/download/3858.pdf

    Ifixit: Nicht so umfangreich wie die englischsprachige Version, aber immer noch sehr nützlich in Bezug auf Hintergrundinformationen und Reparaturanleitungen.

    www.de.ifixit.com/

    Fairphone: Der erste Versuch ein in Ansätzen faires Handy herzustellen. Fairphone bietet ein  “Urban Mining Manual” an. Damit lassen sich Workshops organisieren, in denen die Teilnehmenden lernen, Mobiltelefone auseinanderzunehmen und auf ihre Zusammensetzung hin zu untersuchen.

    www.fairphone.com/

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